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Rantepao

Montag, 24.08.2015

Rantepao

Nach einer ziemlich genau 9-stündigen und recht schlaflosen Busfahrt, sind wir nun um 6 Uhr Morgens in Rantepao – genau in der Region Tana Toraja – angekommen. Schnell ist ein Homestay gefunden, wo wir uns erstmal aufs Ohr legen.

Am Nachmittag versuchen wir vergebens einen Scooter zu ergattern… alles fully booked. Nun gut, dann machen wir halt heute ´nen Lauen.

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…geballte Kompetenz….

Laut unserem Homestay-Betreiber, gibt’s hier im Ort wohl ein Fotogeschäft, wo auch Kameras repariert werden. Also machen wir uns auf die Socken. Oh mein Gott, was uns da erwartet bringt uns echt fast zur Verzweiflung. Mario fragt nach ob Sie auch tatsächlich vor Ort Reparaturen durchführen: Antwort: „Yes Mister“. Mario zeigt den mittlerweile zwei Damen das Objektiv. Die Damen: „Oooohhhh“, „We don´t have Service here, only in Makassar!“ Wie bitte, hatten wir das nicht so ca. 2 Minuten vorher gefragt?! Nun gut, die Frage nach Werkzeug, um selbst mal Hand an zu legen, wurde auch mit einem freundlichen: „Oh nooooo Mister, we don´t have, only in Makassar!“

Und sowas passiert hier ständig, erst heißt es „Na klaro haben wir das hier“ bzw. „Klar können wir Ihnen helfen“, dann heißt es irgendwann „Naja, vielleicht können wir Ihnen helfen“ um kurz darauf mit einem „Nee, also dabei können wir Ihnen auf keinen Fall helfen“, abgespeist zu werden…das Problem hier ist das die einen zu 95% einfach nicht verstehen. Wir haben es schon öfter gehabt das wir (nur um ein Beispiel zu nennen) vor einem Sojasoßen-Regal stehen und einen der Verkäufer nach dem Preis der Sojasoße fragen und glatt gesagt bekommen „Sorry Mister,don´t have“!Da muss man sich manchmal schwer zusammenreißen…aber immerhin sind wir ja die Fremden,das sollte man ja nicht vergessen!

Im Endeffekt haben wir in einem kleinen Elektroladen ein Set Schraubenzieher gekauft und Mario hat das Objektiv selbst auseinander gebaut. Fazit: Es sieht mal so aus, als wäre ein Flachkabel eingeknickt. Mist!

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….der Knick ist deutlich zu sehen…

Abends treffen wir uns noch mit Maria. Sie ist bei einem Einheimischen untergekommen (bei der Frau von ´nem Typen, den Sie in Ende (auf Flores) kennengelernt hat. Über sie bzw. ihren Host bekommen wir auch morgen ein Motorrad und wir dürfen mit zu einen Beerdigungszeremonie. Mal gespannt, was das gibt.

 

Dienstag, 25.8.1015

Wie versprochen macht uns Maria einen Roller von ihrem Bekannten klar.

Wir machen uns los ins ca.10 Minuten entfernte Dorf Batan, wo aktuell eine Beerdigungszeremonie stattfindet. Auf dem Weg kaufen wir noch ein paar Zigaretten, da es so üblich ist, dass jeder Gast ein Geschenk mitbringt, auch wenn er den Verstorbenen nicht kannte. Gehört sich halt so.

Da diese Beerdingungszeremonien sehr pompös ablaufen und DSC02008hunderte von Leuten über Tage hinweg beköstigt werden müssen, sind das enorme Kosten für die Angehörigen. Somit kann es in manchen Fällen Jahre dauern, bis sich die Familie die Beerdigung überhaupt erst leisten kann. Während dieser ganzen Zeit des Sparens und Wartens, lebt der Verstorbende weiterhin mit im Haus und wird mehr oder weniger als ein noch lebendiges Familienmitglied behandelt. Sprich die Familie setzt sich min. einmal am Tag zu dem Verstorbenen und redet mit ihm oder sie trinken “gemeinsam” eine Tasse Tee. In unserem (Todes-)Fall war der gute Mann bereits im April verstorben.

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Der Tod bedeutet für die Menschen hier in der Region Toraja nichts Schlimmes oder Trauriges, es ist eine Art Aufstieg in ein besseres Leben. Daher sind die Beerdigungszeremonien hier eher ein tagelanges Fest mit unzähligen Leuten, die alle Geschenke zu Ehren des Verstorbenen mitbringen. Am gängigsten sind Schweine und Büffel, die auch alle vor Ort geopfert und verspeist warden. Je mehr Tiere geopfert werden, desto besser wird das Leben des Verstorbenen im Jenseits. Hier ist es auch ganz wichtig, welches Dorf oder welche Familie was genau “spendet”, es zeigt ebenso deren Ansehen und Reichtum. Besonders hoch angesehen ist der Albino-Buffallo, ein solcher kann bis zu  zehntausend Euros und mehr kosten.

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….für so ein Albino-Exemplar verschulden sich die Gäste durchaus ihr Leben lang….

Demnach verschulden sich oftmals die Leute. Ein Sprecher verkundet über Lautsprecher genauestens was wer mitgebracht hat und da will ja keiner blöd und geizig dastehen.

Tja und wir sind nun mittendrin in einer solchen Beerdingungszeremonie. Irgendwie skuril aber auch sehr interessant. Es wird getanzt, gesungen und gegessen und das den ganzen Tag lang.

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Und der Tote in seinem Sarg immer mitten drin.Überall liegen Schweine, fixiert an Bambusstöcken rum, die nur darauf Warten geschlachtet zu werden. Der Anblick ist wirklich nichts für Tierliebhaber und sanfte Gemüter. Aber in gewisser Weise stumpft man ein wenig ab, denn es gehört hier nunmal mit zur Tradition und Kultur.

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Überall stinkts nach verbranntem Fleisch, dieser kommt von den DSC02113frisch hingerichteten Schweinen, die mithilfe eines Bunsenbrenners von den Borsten befreit werden. Bei den Büffeln gehts ähnlich zu. Die werden festgebunden, zack, mit einem nicht immer gekonnten Schnitt die Kehle durch , zerlegt und ausgenommen -fertig. Mit den Hörnern werden die Häuser geschmückt. Grausamer Anblick, aber wie gesagt es gehört hier dazu.DSC02051

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Zum Abschluss des heutigen Tages gabs traditionelle Büffelkämpfe. Auch eine Sache die man nicht unbedingt verstehen muss. Und die freuen sich hier so sehr, wenn die armen Tiere aufeinanderl los gehen oder sich einfach ab durch die Menge vom Acker machen. Was ich wiederrum nicht so witzig fand, denn Mario stand natürlich wieder mit seiner Kamera an vorderster Front.

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….Buffalo-Fights….

 

Mittwoch, 26.8.2015

Der eigentliche Plan heute war, an eine der traditionellen “Kleider-Wechsel-Zeremonien” teilzunehmen. Für manche Torajer ist es üblich den Toten alle 4-6 Jahre die Kleidung zu wechseln. Sprich sie holen sie aus ihren Gräbern und ziehen sie in einer feierlichen Runde um. Maria ist schon recht früh mit ein paar Einheimischen dorthin aufgebrochen und hat uns ihren Standort, der irgendwo im Nirgendwo in den Bergen ist, per Whatsapp geschickt.

Wir fahren stundenlang durch die Berge. Die Strassen sind teilweise wirklich schrecklich und irgendwann müssen wir feststellen, dass Googlemaps uns wiedermal einen Streich gespielt hat und wir DSC02158vollkommen falsch waren. Oder die Übermittlung des Standortes war nicht richtig, keine Ahnung.Aber die Aussicht über die Dörfer und Reisfelder entschädigt die Strapazen. Auf dem Weg zurück ins Dorf machten wir Halt an den Marimbunna Natural Caves, sprich Fels-Gräber. Die Toten werden in ihren Särgen in Felslöcher gelegt.Da die Särge mit der Zeit verrotten, sind dementsprechend reichlich Knochen und Schädel hier zu finden.

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Weiter gehts nach Londa, hier ist eine riesige Grabhöhle. Aussen am Berg ist eine Art Terasse, auf denen Figuren, teilweise realistische Abbildungen der Toten, genannt Tao Tao sitzen und die Gräber bewachen. Da nicht alle Särge der Zeit und Witterung standhalten, liegen auch hier wieder Totenköpfe und Knochen rum.

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Nächster Stopp war dann in Lemo: Hier gibts nochmal Felsgräber mit Tao Tao DSC02240Terassen zu sehen. Die Tao Tao sind hier eher kleine Figuren, die weniger realistisch aussehen wie die in Londa. Die Löcher für die Gräber, werden per Handarbeit mit Hammer und Meissel in den Fels geschlagen. Das ganze kann schonmal bis zu einem Jahr dauern, und der Arbeiter verlässt während dieser Zeit diesen Platz nicht, bis sein Werk vollendet ist.

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Weiter gehts nach Kambira, wo ein Baum mit Babygräbern steht. DSC02254Babies bis glaub ich zu einem Jahr, werden in Löchern in Bäumen bestattet. In diesem einen Baum liegen um die 20 Babies.Diesmal waren zwar keine Särge,Knochen oder Schädel zu sehen,aber nun haben wir dann doch genug von dem ganzen Totenkult, der für uns teilweise sehr gruselig und befremdlich ist.

Abends probieren wir den für die Region bekannten Palmwein. Der wird jeden Tag frisch abgezapft und zubereitet. Mario fand den Klasse, mein Geschmack war es nicht. Es schmeckt für mich nach einer Mischung von gäriger Kokosnuss und Essig.

 

Donnerstag, 27.8.2015

DSC02259Heute fahren wir zum grössten Wochenmarkt der Region. Besonders spektakulär ist der Tiermarkt. Hier warten hunderte von Büffeln und Schweine darauf, den Besitzer zu wechseln

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Anschliessend fahren wir nochmal nach Batan, wo immernoch die Beerdigungszeremonie im vollen Gange ist. Heute ist Tag der grossen Opferung und es sollen um die 50 Büffel abgeschlachtet werden, ein echtes Massakar. Der Anblick ist so grausam, dass wir uns ganz schnell wieder vom Acker machen.Alles in allem sind auf dieser Zeremonie knapp 50 Büffel und gut 140 Schweine geschlachtet worden!

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…ein finanzieller Schlag ins Gesicht…der Neukauf des Objektiv war weder geplant noch günstig…

Wir haben auch noch einiges zu erledigen.Nachdem Mario den Kundenservice von Tamron gelöchert hat,bekamen wir eine Adresse  einer Vertretung von Tamron in Jakarta.Die von uns zu gesendeten Bilder wurden recht eindeutig als die wahrscheinliche Ursache für den Ausfall der Linse gewertet. Auf die Frage ob eine Reparatur möglich sei, teilten sie uns mit das diese sehr wohl möglich sei,aber NUR bei DIESER Art von Objektiv die Reparatur nur in Japan im Werk möglich sei…in ungefähr 2 Monaten könnten wir die Linse dann wieder haben.Das war allerdings dann keine wirkliche Option und wir beschlossen notgedrungen ein neues Objektiv in Jakarta zu bestellen.Nun  müssen wir noch eine Bank finden, die für uns die Überweisung regelt. Wir finden eine entsprechende Bank und zum Glück spricht einer der Bänker englisch. Er bietet uns an, dass wir ihm das Geld in bar geben und er die Überweisung über seinen Bankaccount abwickelt. Wir verabreden uns für den nächsten Tag und besorgen im Anschluss das Bargeld für die Überweisung.

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Freitag, 28.8.2015

Die Überweisung verläuft reibungslos. Jetzt müssen wir noch eine Unterkunft für unser nächstes Ziel Manado finden, um dem Linsenverkäufer in Jakarta eine Lieferadresse mitteilen zu können. Gesagt getan.

Ausserdem besorgen wir uns heute noch unsere Bustickets zurück nach Makassar und von dort aus ein Flugticket nach Manado. Klingt alles etwas umständlich, aber das ist der günstigste und einfachste Weg in den Norden zu kommen. Um uns über Land vor zu arbeiten, fehlt uns leider die Zeit, da uns unser Visum im Nacken sitzt, das ziemlich genau 4 Tagen abläuft.

Abends treffen wir uns Maria zu einem Abschiedsgetränk und dann geht’s über Nacht nach Makassar.

Zum Glück hält der Bus direkt am Flughafen, so dass wir nicht mehr total übermüdeet quer durch die Stadt eiern müssen.

Fazit: Wir hatten wirklich grosses Glück bei solch einer Zeremonie mit dabei sein zu können und es war wirklich mal was ganz anderes wie das, was wir bisher so gesehen haben…allerdings war es auch ziemlich krass.Allem voran natürlich der Umgang mit den Tieren,die teilweise den ganzen Tag in der prallen Sonne an Bambusrohren festgebunden „herumgelegen“ haben bevor sie abgeschlachtet wurden….von teilweise recht unproffessionellen Zeitgenossen.Blutfontänen aus durchtrennten Büffelkühen oder auch mit einem Messer malträtierte Schweine-Herzen die das Blut schwellweise durch die Luft pulsieren lassen,der Geruch von verbrannten Haaren und Haut der in der Luft liegt,wenn die Schweine mit dem Bunsenbrenner enthaart werden….alles nichts für schwache Nerven.Auch der gesamte Kult um die Toten-Stätten rund um Linda und Lemo  war hoch interessant…aber wir waren auch wieder froh dort weg zu sein…der Umgang mit dem Tod ist doch recht schwer nachvollziehbar für uns Europäer…aber auch sowas sollte man mal gesehen haben und ist nichts was wir im nach hinein missen wollten!