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Anambas

23.5.2015

Anambas

Nachdem wir am Donnerstag Morgen gegen 7 Uhr Richtung Anambas gestartet sind ging es erst einmal beschaulich und relativ ruhig vorwärts.

Die ca. 1,5 (Segel-)Stunden Generalprobe vom Vortag hatten wir Magentechnisch noch recht gut verkraftet.Ein bisschen flau war uns schon. Locky hatte uns geraten Ingwer-Tee zu trinken und uns auf dem Deck aufzuhalten.

Ich hatte mich recht schnell dran gewöhnt…Pedi hatte bis weit in den Freitag hinein noch Probleme.

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Keith hatte berechnet das wir (alle Eventualitäten mit einberechnet) nach max. 39 Stunden in Anambas sein sollten…wenn wir die Nacht komplett durchstochen.

Tagsüber waren wir noch die meiste Zeit damit beschäftigt mit uns und den doch etwas anderen Verhältnissen parat zu kommen. Wenn das Segel gesetzt ist hat das Boot eine kontinuierliche Schräglage, an die man sich auch erst einmal gewöhnen muss.

Wir hatten ein paar Pillen gegen allgemeine Reisekrankheiten gekauft, die sich Pedi einverleibte, bei mir ging es ganz gut ohne.

Am Abend machten wir die erste Schicht von Anbruch der Dunkelheit bis 21 Uhr…Keith legte sich bis dahin ab.

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Um 21 Uhr hieß es dann für uns bis 0.00 Uhr ab in die Koje.Ich war erstaunlich fit für nur 3 Stunden Schlaf….und diesmal hieß es für Keith ab in die Koje….allerdings nicht allzu lang.

Er hatte uns vorher gesagt, das wir Ihn bei der kleinsten Kleinigkeit lieber wecken sollen bevor etwas passiert.Als wir aus der Koje kamen waren überall am Horizont Lichter in gewissen Abständen zu sehen. Das konnte von Fischerbooten bis hin zu Öl- und Gasplattformen erst mal alles sein.

Keith hatte uns im Laufe des Tages das ein oder andere wichtig erklärt….wie zum Beispiel das wenn man ein rotes Positionslicht sieht, das Boot von seiner linken Seite zu sehen ist, was bedeutet das es von rechts nach links fährt…umgekehrt verhält es sich wenn man das grüne Positionslicht sieht.

Ebenso zeigte er uns wie das Radar funktioniert und wie man leichte Kursänderungen am Autopiloten vornimmt…was wir tagsüber in Küstennähe regelmäßig machten um Bojen zu umfahren.

Plötzlich sahen wir etwas direkt vor uns etwas, was auf dem Radar nicht zu erkennen war und man konnte nicht wirklich erkennen was es war und ob es sich bewegt….zudem hatte es mehrere rote blinkende Lichter rundherum….also war eine Richtungsbestimmung auch nicht machbar. Plötzlich hörten wir das Funkgerät und es hörte sich so an als ob jemand Musik durchs Mikro abspielte.

Da wir langsam aber sicher immer näher an das „Ding“ heran fuhren ohne das wir Rückschlüsse auf Richtung etc. schließen konnten, nahm ich erst einmal eine Kursänderung um 10 Grad vor (Keith hatte uns erklärt das man wenn möglich immer ein Objekt zu unserer linken Seite passiert) um möglichst rechts daran vorbei fahren zu können und bat Pedi den Captain aus seinem Schönheitsschlaf zu reißen….denn die 10 Grad reichten definitiv nicht aus um ohne Kollision daran vorbei zu kommen und größere Änderungen wollte ich auf eigene Faust schlichtweg nicht machen.

Ruckzuck stand Keith auf der Matte und meinte nur „oh Shit“!

10 Grad nach rechts….“hab ich bereits“….antwortete ich….kurz darauf kam die Order nochmal 20 Grad nach zu legen.

Dann blinkte jemand mit ´nem Strahler…scheinbar als Warnung oder Hinweis das er da ist….bisschen knappig.

Keith probierte per Funk Kontakt aufzunehmen….darauf kam wieder nur die komische Musik zurück.Laut Keith schien das wohl jemand zu sein der wohl kein Englisch spricht oder schlichtweg ein Vollidiot.Kurz darauf waren wir auch dran vorbei…was es nun letzten Endes war, wissen wir nicht….aber es war knapp und nicht auf dem Radar zu sehen.

Mittlerweile hatten wir auch wieder 1.30 Uhr und Keith machte sich wieder ins Bett.

Um 3 Uhr konnten wir wieder bis 6 Uhr ein wenig schlafen.

Ein wenig zerknautscht standen wir Punkt 6 wieder parat. Pedi ging es nicht so gut, das ständige Geschaukel setzte ihr doch gut zu…..aber gegen 6.30 Uhr gab es eine kleine Entschädigung für die Strapazen…..Delfine!!!Plötzlich tauchten sie wie aus dem Nichts links neben dem Boot auf, schwammen kurz in unserer Bugwelle und verschwanden so plötzlich wie sie erschienen waren wieder in den weiten des Ozeans. Einen Tag zuvor hatte ich eine Schildkröte gesichtet und im Laufe des Tages nach der Delfin-Sichtung kam kurz vor Ankunft in Anambas noch ein Hai aus dem Wasser gesprungen. Unglaublich solche Tiere in IHREM Element in Aktion zu sehen!

DSC09547Gegen Nachmittag durchfuhren wir eine beliebte (Handels-) Wasserstrasse die von Malaysia nach nach China führt….da war richtig Aktion angesagt um zwischen all den richtig dicken Frachtern mit DSC09545unserem „Segelbötchen“ durch zu kommen.

Das Idendtifikations-und Warnungssystem System AIS das er in Kombi mit seinem Notebook betreibt, kam aus dem Krach machen gar nicht mehr raus.

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Hier mal ein paar Informationen zu „AIS“:Der Begriff Automatic Identification System (AIS; zu Deutsch: Automatisches Identifikationssystem) oder Universal Automatic Identification System(UAIS) bezeichnet ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert. Es wurde am 6. Dezember 2000 von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) als verbindlicher Standard angenommen.

AIS dient entsprechend der Leistungsnorm (Performance Standard) der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) folgenden Zwecken:

  • der Kollisionsverhütung zwischen Schiffen
  • als Mittel für Küstenstaaten, Informationen über Schiffe und ihre Ladung zu erlangen
  • als Hilfsmittel für die landseitige Überwachung und Lenkung des Verkehrs (VTS).

AIS verbessert die Planung und Entscheidungsfindung an Bord, da nicht nur Position, Kurs und Geschwindigkeit der umgebenden Schiffe übertragen werden, sondern auch Schiffsdaten (Schiffsname, MMSI-Nummer, Funkrufzeichen etc.). Dies erleichtert z. B. Absprachen zwischen Schiffsführern über Funk. AIS funktioniert unabhängig von Einschränkungen der optischen Sicht und der Radarwellen-Ausbreitung (z. B. Verdeckungen oder Abschattungen), so dass auch Schiffe erkannt werden können, die sich hinter einem Kap oder hinter einer Flusskurve befinden, sofern die im UKW-Frequenzbereich ausgestrahlten Signale durchdringen.

AIS wird als kooperatives System bezeichnet. Für seine Nutzung ist ein aktives, technisch funktionsfähiges Gerät Voraussetzung, im Gegensatz zum Radar als autarkes System.

Bei der Betrachtung von AIS ist zu unterscheiden zwischen dem AIS-System selbst (der funkgestützten Datenübertragung) und der Darstellung von Informationen, die per AIS übertragen wurden. Eine Darstellung an Bord kann z. B. in einer ARPA-Anlage oder in einer elektronischen Seekarte (ECDIS) erfolgen; diese Geräte gehören jedoch nicht zum AIS-System. Für AIS-Bordgeräte ist als Anzeige- und Bedienelement lediglich ein sog. „Minimum Keyboard and Display“ (MKD) vorgeschrieben. Eine sinnvolle Nutzung von AIS-Daten setzt eine brauchbare Darstellung in einem entsprechenden Display, zusammen mit anderen navigatorisch relevanten Informationen, voraus. Quelle:Wikipedia

Urplötzlich drehte auf einmal  der Wind und wurde um einiges stärker, so das wir von einem auf den anderen Moment locker 25 Knoten mit 90 Grad im Segel stehen hatten….das war dann genau der Moment wo wir dachten wir kippen jetzt einfach um!Wir hatten gefühlte 45 Grad Schräglage (der Captain schätzte tatsächliche 35 Grad), aber dank der doch mehr als 50 Jahren Erfahrung brachte Keith die Situation recht gelassen und zügig unter Kontrolle.

Gegen 16 Uhr erreichten wir dann endlich unser Ziel…Anambas.

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23.5.2015

Da Anambas und Natuna die einzigen Stationen der Malaysia Rally sind, die sich in Indonesien befinden, mussten wir uns dort „clearen“lassen. Im Prinzip nix anderes wie am Flughafen auch, nur das hier der Zoll noch mit an Board kommt und eventuell größere Mengen Alkohol versiegelt (Ähnlich der maximalen Einfuhrmenge an einem Flughafen).

Nachdem wir heute den ganzen Tag auf die Migrations-Futzis gewartet haben, da wir normalerweise vorher nicht an Land gehen dürfen, kam eben mit den Immigration-Officers die Ernüchterung: Wir sind offiziell Illegale Einwanderer!

Wie konnte das passieren? Gute Frage, die wir uns auch gestellt haben.

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…die neugierigen Kiddis auf Erkundungstour zwischen den ganzen Yachten…
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…Die Fähren der Einheimischen fuhren natürlich möglichst nahe an den Yachten vorbei um zu sehen was da so abgeht…

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Als wir in Penang unser 60-Tages-Visa für Indonesien bekommen haben (obwohl wir dieses nicht explizit beantragt hatten) , wußten wir nicht und es hat uns auch niemand gesagt das dies ein Multiple-Entry-Visa ist.Den Sachverhalt hatten wir der guten Frau ja geschildert, also hätte sie uns auch darauf hinweisen können das es nur ein Single-Entry-Visa ist und keins zur mehrfachen Einreise. Mit der Einreise in Sumatra und der anschließenden wieder Ausreise nach Malaysien war das Visum quasi wieder ungültig….ja und nun sind wir per Boot von Malaysien wieder nach Indonesien eingereist….ohne Visum!

Die Pässe wurden einbehalten und können diese frühestens am Montagmorgen wieder in Empfang nehmen.

Der Captain sieht´s gelassen und meinte nur wenn sie uns blöd kommen, sollen sie sich ´n Finger in den Allerwertesten stecken und wir segeln einfach wieder in malaysische Gewässer.

Vorher müssen wir aber erst mal mit „Raymon“ reden, der ist wohl mit derjenige der für Touristenarbeit etc. zuständig ist und die Malaysien-Rallye hier in Indonesien begleitet….da er quasi das Aushängeschild ist und dafür werben soll wie Touristenfreundlich usw. Indonesien ist, wird er bestimmt eine Lösung dafür finden.Selbst der gute Mann der die Pässe eingezogen hat meinte „no worries“….warten wir mal ab.

 

24.5.2015

Heute Morgen war um 9 Uhr die offizielle Begrüßungszeremonie. Nach ein bisschen Gefasel von den „Offiziellen“ mussten wir Raymon erwischen um unser Visa-Problem zu lösen. Wir erklärten ihm das Problem und er meinte das wäre alles kein Problem….allerdings waren wir nicht wirklich sicher ob er das eigentliche Dilemma auch richtig verstanden hatte.

Nachdem die indonesischen Tänzerinnen für einige der Herren für Erinnerungsfotos herhalten mussten, kamen die Mädels zu uns und ließen sich mit uns fotografieren….sehr witzig.

Bei einem Besuch des chinesischen Tempel ganz in der Nähe lernten wir Jacob kennen, einen Australier der auch bereits seid 3 Jahren unterwegs ist.

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Falls wir es bis Australien schaffen wollte er uns die Adresse seines Bruders geben, der uns in der ein oder anderen Angelegenheit (wie zum Beispiel ein wenig arbeiten für Cash) behilflich sein könnte.

Während der Rückkehr von diesem Tempel zu unserem Schlauchboot mussten wir uns erneut diverser Fotosessions stellen.

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Beim Lunch trafen wir wieder auf einen von den Zuständigen hier, der uns mitteilte das Raymon uns erwartet.Nachdem wir ihn gefunden hatte teilte er uns mit das unser Visa schon benutzt worden sei in Kuala Namu (Sumatra)….oh welch Überraschung…das hatten wir ihm ja bereits erklärt.

Er meinte das sie es hinbiegen würden und wir 35$/Person zu bezahlen hätten wie bei einem Visa on Arrival…also taten wir das auch nur Minuten später und bekamen gesagt wir sollen die Pässe Montagmorgen im Immigrationoffice abholen….wir sind gespannt.

 

25.5.2014

Am Montag ging es mit den Veranstaltern auf, ein bisschen die Insel erkunden…nix wirklich spektakuläres….nach 3 Stunden war der ganze Spuk vorbei.

Als wir wieder zurück waren, machten wir uns natürlich auf um unser kleines Dilemma bezüglich unserer illegalen Einreise zu klären.

Tatsächlich hatten sie uns einen Stempel in den Pass gemacht und alles war soweit geklärt…allerdings behielten sie die Pässe noch DSC09586weiter weil sie noch eine Kopie davon machen müssten….so sagte man uns. Hintergrund war aber ein anderer: Nicht nur wir, sondern auch viele Teilnehmer der Rally, bekamen einen Teil der notwendigen Papiere die man braucht um weitersegeln zu können unter irgendwelchen Vorwänden nicht ausgehändigt. Der Grund war das sie so viele wie möglich Abends auf das große Dinner, welches veranstaltet wurde, kommen lassen wollten (wo die Papiere übrigens erst nach dem Showprogramm mit Tanz etc. ausgehändigt wurden).

Abends ging es dann geschniegelt und gestriegelt zum besagten Dinner mit hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Tourismusbranche. Es gab lokale kulinarische Köstlichkeiten und wie oben erwähnt, zum Schluss endlich unsere Pässe wieder.

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26.5.2015

Der Dienstag gestaltete sich recht unspektakulär. Wie die Tage zuvor marschierten wir heute wieder in „La Luna“-Restaurant, in der Hoffnung dort per Wlan ins Internet zu kommen….was immer mit mäßigem Erfolg gekrönt war…auch die Verbindung per Mobilem Netz via Handy klappte hier gar nicht.

Anschließend fuhren wir Joyce abholen und nochmal zu dem chinesischen Tempel, da Joyce beim letzten Mal wohl vergessen hatte für irgend etwas zu beten….nun gut.

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Auf der Rücktour erwarteten uns ein paar Kiddi´s die uns fragten ob sie mal auf solch ein Boot dürften und es sich anschauen. Der Captain willigte ein und wir fuhren zum Boot für die Besichtigung. Das Mädel sprach sehr gutes Englisch. Da Keith sich ein paar Gin Tonic in den Kopf haute, fuhr ich die 2 dann mit dem Schlauchboot wieder zurück ans Festland.

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Wieder zurück an Bord wurde es dann auch langsam Zeit das Abendessen zu kochen, was Pedi und ich zusammen erledigten.

Als wir nachdem Essen noch gemütlich bei einem Bier zusammen saßen, zog plötzlich ein Sturm auf….von einer auf die andere Minute fing das Boot an heftig auf und ab zu schaukeln…das sollte bis tief in die Nacht so weiter gehen….Gott sei Dank hatten wir uns bereits daran gewöhnt.

 

27.5.2015

Mittwoch Morgen hieß es dann gegen 7 Uhr Anker lichten und Aufbruch nach Bawah….