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Siberut (Pt.1)

7.5.2015

Siberut

Nachdem wir für 295.000 IDR (ca. 20 €) gegen 8.15 Uhr ein Ticket  gekauft hatten, IMG_1314ging es pünktlich um 9 Uhr mit der Mentawai-Fast Ferry los in Richtung Siberut, die Fahrt dauert ca. 3 Stunden. Dort angekommen flüchten wir erst mal aus dem ganzen Gewusel an der Fähre, wo natürlich alle unsere Taschen tragen oder uns in ihre Tuktuks verfrachten wollten. Erste Anlaufstelle ist ein Homestay nicht weit weg vom Pier, wo wir versuchen ein paar Infos zu bekommen. Dank Eji, die ja Indonesisch spricht, klappt das auch ganz gut. Ohne sie wären IMG_1316wir hier ganz schön aufgeschmissen, denn Englisch sprechen hier nicht wirklich viele. Nach ein wenig blabla mit den Locals werden wir kurzerhand auf vier Roller verfrachtet und ins „Dorf“ gebracht wo wir Rustam kennenlernten, einer der Guides der uns von Brigitte empfohlen wurde.Was wir zu der Zeit noch nicht wussten: Brigitte hatte Rustam telefonisch bescheid gegeben das wir kommen….die Tatasache das wir die einzigen „Weißen“ auf der Fähre waren hat es den Jungs mit den Rollern die Rustam los geschickt hatte, recht einfach gemacht uns zu finden. In Montei angekommen, besprechen wir mit Rustam unsere Pläne und Wünsche und handeln mit ihm einen Preis aus. Ich persönlich war über das Endresultat sehr erstaunt, da es weit unter dem lag, was ich befürchtet hatte. Wir zahlen 100.000 INR pro Person für den Guide und 25.000 INR pro Person pro Übernachtung. Also umgerechnet ca. 8 Euro pro Tag – perfecto! Essen kommt noch separat dazu, aber wir haben ja weitestgehend alles dabei.

Am liebsten wollten wir alle direkt starten, was aber laut Rustam nicht ginge, da in unserer ersten Unterkunft wohl bereits eine andere Gruppe Touris sind. Ok.

Die Registrierung die jeder Tourist auf Siberut machen muss, erledigt Rustam für uns. Nachdem er von dieser wieder zurück war, marschierten wir alle zu einem kleinen Laden, da Rustam auch B. nochmal nahe legte sich auf jeden Fall Gummistiefel zu kaufen und teilte uns mit was wir ergänzend zu dem was wir bereits an Nahrungsmittel hatten, noch kaufen sollten.

Wir hatten allerhand eingekauft: Darunter roten Reis (den wir kauften weil er so herrlich in 500 Gramm Beuteln zu bekommen war)… 5Kg davon…leider war der in manchen Uma´s nicht ganz so beliebt…aber das wussten wir natürlich nicht und er war einfacher zu transportieren. Neben diverser Schokoriegel, die eigentlich für die „Kleinen“ gedacht waren, die aber bei den „Großen“ ebenso beliebt waren, können wir nur jedem empfehlen so was wie Bonbons mit zu nehmen…Hauptsache viel in kleinen Verpackungseinheiten. Neben getrocknetem Fisch mit Sambal (Ikan Terri), Dosenfisch in Tomatensoße (der äußerst beliebt ist), hatten wir noch kleine Reis-Kokosnuss-Snacks für unterwegs dabei und diverse kleineandere Sachen. Ebenso zu unserem Einkauf zählten 10 Stangen Zigaretten…da von uns ja niemand mehr raucht, hat sich auch keiner groß Gedanken gemacht was wir da so kaufen…leider hatten wir welche ohne Filter erwischt…die auch nicht sooo beliebt waren.

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…auf dem Weg zum Lädchen…

Rustam empfahl uns noch Mehl zu kaufen damit er uns zum Frühstück Pfannkuchen machen kann, Tabak für die Shamanen, 2 KG Zucker (!!), Tee und Kaffee.Wir kauften nur 1,5 KG Zucker…2 KG hielten wir für übertrieben…..am Ende unserer Tour haben wir insgesamt fast 5 KG Zucker gebraucht! In einem Glas Tee landen schon mal gerne 2 große EL Zucker…die sind auf jeden Fall alle ein wenig Diabetes gefährdet! Unterwegs wurde dann hier und dort noch ein Huhn, noch etwas Tee und Reis bei gekauft damit Wir bis zum Schluss mit allem versorgt waren. Das wir die Gastfamilien mit zu bewirten hatten, versteht sich von selbst.

Und Gott sei Dank…es gab Gummistiefel in Männergrößen..Da hatten die Jungs wirklich Glück das in Siberut, entgegen aller Infos die wir hatten doch welche zu kaufen waren.Man hatte uns auch gesagt das man sich Moskitonetze von den Guides leihen könne….auch eine Fehlinformation!Nur zu dumm das wir unser Moskitonetz in Padang gelassen hatten…jetzt hätten wir es zum ersten Mal während unserer Reise gebrauchen können und packen es aus.

Nachdem wir mit einkaufen  fertig waren ging es wieder zurück in unsere Hütte zum Zeit totschlagen bis zum nächsten Tag, wo es dann endlich los ging.

Unsere Unterkunft hier in Montei ist ein einfaches Holzhüttchen.

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Wir schlafen auf einer Bambusmatte auf dem Boden. Strom und fließend Wasser gibt’s nicht, die Toilette ist ein Loch und die Dusche ein Wasserbassin (Regenwasser) mit Schöpfkelle.

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….das Badezimmer mit Toilette und Dusche….

 

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…die Dusche inklusive „Armaturen“ und die Toilette (von links nach rechts) ;-)

Daran werden wir uns jetzt wohl gewöhnen müssen, aber ist ja nicht das erst mal.

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08.05.2015

In der Nacht war wohl ein leichtes Erdbeben, wovon wir aber nichts mitbekommen haben. Zum Frühstück gabs in Kokosmilch gekochte Linsen, was sich vielleicht seltsam anhört, aber wirklich lecker und vor allem sättigend war. Anschließend gingen wir zum Fluss….

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…..von wo aus wir mit dem Motor-Einbaum (hier Pongpong genannt) in den Dschungel gebracht werden sollten. B. wollte jetzt noch einen Sarong zum zudecken kaufen. Er zog mit Rustam los und wir warteten am Fluss auf die beiden, die ca. 1 ½ Stunden inkl. Sarong und Moskitonetzen wiederkamen und wir konnten endlich los.

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Auf der 2 stündigen Fahrt wurden wir von einem Regen überrascht, es goss wie aus Eimern und wir mussten das Wasser aus dem Boot schöpfen….

In Rorogoe angekommen stampften wir in unseren Gummistiefeln, ca. 20 Minuten durch dicksten Schlamm zur ersten Uma. Eine Uma ist ein verhältnismäßiges großes Holzhaus, welches auf Stelzen steht, durch einen Balanceakt über eine Art Hühnerleiter gelangt man ins Haus, was bei Regen nicht ganz ohne ist.

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….was um die Uma herum liegt,sind die Reste von Sagoo Stämmen die die Tiere täglich zu fressen bekommen….

Toilette Fehlanzeige, oder eher: Überall, nur bitte fürs größere Geschäft etwas weiter weg vom Haus.

Ich beschließe ziemlich schnell für mich ab jetzt wenig bis gar nichts mehr zu trinken, da ich wirklich keine Lust darauf habe, im Dunkeln über eine glitschige Hühnerleiter, durch den Schlamm, vorbei an den ganzen Wildschweinen zur „Toilette“ laufen muss. Ein Hoch auf alle Männer ihr habts so gut, ihr könnt hier einfach aus dem Haus raus pinkeln. Nun gut Themawechsel: In einer Uma leben für gewöhnlich mehrere Familien bzw. ein ganzer Clan inkl. Tieren wie Hühner, Katzen, Gänse…. Unter der Uma wohnen die Schweine. Da die Bauweisen hier doch recht sporadisch sind und natürlich rundherum auch alles offen ist, muss ich zu dem Geruch nicht weiter viel sagen. In unserer Uma hier lebt allerdings nur noch ein altes Ehepaar, wie alt genau wissen sie selbst nicht. Er ist ein Schamane sprich ein Medizinmann, was man an seinen Tätowierungen und an der Farbe seines Lendenschurzes erkennen kann. Die Frau des Schamanen ist ebenfalls von Kopf bis Fuß tätowiert und auch traditionell gekleidet, sprich nur untenrum en bissle bedeckt und gut ist.

Außer der Uma , ein kleiner Fluss und Unmengen an Schlamm ist hier weit und breit nix. Nach dem Regen, der uns natürlich wieder erwischte, machten Mario und ich uns auf Erkundungstour. Aber außer den paar Wildschweinen gabs nicht viel zu sehen und weit laufen kann man auch nicht, da ringsherum nur wildbewachsender Dschungel ist. Also gehen wir zurück ins Haus, wo wir der „Mama“ so wie wir sie nennen dürfen, wie sie Sagoo macht.

Sagoo ist hier das Hauptnahrungsmittel. Der Stamm des Sagoobaumes wird hierfür geraspelt und mehrere Tage in Wasser eingelegt, um dem Sagoo bestimmte, für den Menschen nicht verträgliche Stoffe zu entziehen. Nach dem Trocknen wird’s nochmal feiner geraspelt und mit Kokosraspeln vermischt….

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…und in ein Sagoo-Palmblatt gelegt und in Form eines dünnen „Stabes“ zusammengerollt.

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Das ganze wird dann anschließend am Feuer gegart.

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Es schmeckt ein bisschen wie trockenes Brot mit wenig Geschmack. Nicht schlecht, aber das jeden Tag als Hauptnahrungsmittel, ich weiß ja nicht. Aber die Mentawai leben halt so.

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Auch die Tiere essen Sagoo, sie vertragen es allerdings unbehandelt und am Stück. Es war faszinierend zu sehen, dass wirklich alle von diesem Baum essen, Menschen, Schweine, Hühner…..

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Alles dieses Baumes, obwohl es ist eher eine Palme, wird von den Mentawai benutzt: der Stamm als Nahrungsmittel, die Palmblätter zur Zubereitung oder auch z. B. zum Abdecken des Daches. Daher bedeutet Sagoo-Baum auch berechtigterweise „Baum des Lebens“. Neben dem Sagoo essen die Mentawai klar ihre eigenen Tiere (Hühner, Schweine,….) aber auch Affe ist hier kein seltenes Gericht. Die Affen- und auch die Schweineschädel dienen dazu noch als Dekoration der Uma. Zum Abendessen kochen wir unseren mitgebrachten Reis und Dosenfisch, wozu „Mama“ und „Papa“ natürlich auch nicht nein sagen. Mama & Papa erzälen ein bisschen über ihr Leben und Rustam übersetzt für uns, da die Mentawai ihre eigene Sprache haben. Sie haben insgesamt 4 Kinder und 12 Enkelkinder, welche aber alle mittlerweile woanders leben. Ein Teil hat Siberut verlassen und manche sind ins Dorf gezogen wegen der Schulen für die Kinder. Mama hat Siberut nie verlassen. Papa war früher eine Art Künstler für traditionellen Tanz und Gesang der Mentawai und war dadurch in einigen anderen Teilen Indonesiens um seine Kultur zu repräsentieren. Die beiden machen nicht ganz soviel den lieben langen Tag lag, sie Rauchen, reden, rauchen, reden, machen Sagoo, schlafen, rauchen, füttern die Tiere…..

Wir liegen bereits in unserem Schlafgemach auf dem Boden als es einen lauten Rums macht und anschließend jemand flucht. Auf dem Weg zurück in die Uma ist ein Brett unter B. zusammengebrochen und er mit einem Bein abgeschmiert. Groß sehen kann man nix und wehgetan hat er sich wohl auch nicht, aber er macht sich riesigen Sorgen um seinen Rücken, da er wohl vor ein paar Jahren eine OP hatte.Noch sollte keiner ahnen, was die „Kante“ da letzten Endes ein Drama draus machen sollte, mit der Folge das wir alle sein Gepäck durch den Dschungel tragen mussten.

Anmerkung der Redaktion: Warum wir das jetzt hier nochmal explizit erwähnen ,hat folgenden Hintergrund: Da steht ein Baum von einem Kerl vor dir und erzählt dir einen von Vollkontakt-Kämpfen und will im Dschungel mit den Einheimischen jagen und vor allem töten gehen…und braucht dann jemand der seinen Rucksack trägt. Eigentlich wollten wir das hier so nicht darstellen, aber zum einen hätte einen Tag aussetzen völlig gereicht und keiner hätte ein Wort darüber verloren (eine ernsthafte Rückenverletzung ist nix wo man sich drüber lustig zu machen hat und bestimmt alles andere als witzig)…aber wenn man dann einige Wochen später erfährt, wie ich gestern, das er sich die Schulter beim Ultimate Fighting verletzt hat stellt man sich echt die Frage, wo er so seine Prioritäten setzt und wie schwerwiegend seine Rückenverletzung damals wirklich war ?! Sorry B., wenn du das lesen solltest kannst du gerne einen Kommentar dazu schreiben….aber es gibt einem doch zu denken.

 

09.05.2015

Wir stehen um 7:15 Uhr auf und bauen unser „Bett“ ab und frühstücken. B. verkündet, dass er aus Sorge um seinen Rücken seinen Rucksack nicht tragen will und bittet Rustam darum. Heißt Rustam trägt nun sein eigenes Gepäck plus den großes mit Proviant gefüllten Rucksack von B.

Nachdem wir dann ein bisschen Sagoo und u.a. Frosch zum Frühstück hatten (Rustam war nachts noch Frösche jagen), ging es dann bei recht gutem Wetter wieder weiter.

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Wir laufen zwei Stunden durch den Dschungel und natürlich wieder durch den tiefsten Schlamm, durch Flüsse, balancieren über einen Baumstamm über Flüsse….. Dieser teils knietiefe Schlamm macht den Marsch wirklich mega anstrengend…allerdings war dieser im Verhältnis zu dem was uns einen Tag später erwarten sollte ein Kinderspiel. Also marschierten wir unserem anderen Schamanen, der morgens dort auftauchte hinterher, bis wir an seiner Uma angekommen waren.

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Die Locals haben an vielen Stellen dünne Baumstämme in den Matsch gelegt, über die sie laufen, um nicht ständig knietief zu versinken. Aber das Problem ist, dass man das Holz im Matsch erst mal finden muss und dann ist es auch gar nicht mal so einfach darüber zu laufen, da natürlich alles rutschig ist. Zum Glück hat uns Rustam allen einen „Walking-Stick“ geschnitzt, so das man wenigstens etwas die Balance halten kann.

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Nach zwei Stunden anstrengendem Marsch kommen wir in Patosap in der zweiten Uma an. Diese Uma ist wesentlich schöner und heller als die erste.

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Auch hier lebt nur ein altes Ehepaar, aber hier kommen schon mal ab und an die weitläufigen Nachbarn vorbei. Er ist ebenso ein Schamane und beide sind traditionell gekleidet (falls man bei dem bisschen Stoff von Bekleidung sprechen kann). Die Uma liegt auch an einem Fluss, der nicht gerade einladend aussieht, aber tja… wir baden trotzdem dort. Was will man auch sonst machen – Dusche gibt’s ja nicht.

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…..“Flur“ Richtung „Badezimmer“….
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….das „Badezimmer“….
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…die „Badewanne“….
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…Blick vom „Balkon“…

Anschließend tun wir nichts, genauso wie die Locals…. einfach nichts und das den ganzen Tag lang. Ich werde fast wahnsinnig vor lauter nixtun.

Blöd ist ja auch das man sich nicht wirklich verständigen kann. Abends gucken Mario und ich zu, wie unsere Abendessen „Hühnchen“ zubereitet wird. Bevor Rustam den Tierchen den Hals umdreht, entschuldigt er sich ordnungsgemäß bei ihnen und verspricht ihnen, dass wir keine Reste übrig lassen werden. Der Schamane und Rustam können ebenso im ausgewaschenen Magen der Hühner die Zukunft ersehen. Sie meinen beide, dass es für uns alle gut aussieht…. na is ja super!

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Rustam (unser Guide) und der Schamane

Wie gesagt zum Dinner gibt’s ein frisches Hühnchen-Curry inkl. allem was an einem Hühnchen so dran ist, wie Kopf, Füße, Innereien….. Außerdem gabs noch Affe, den der Nachbar heute frisch gejagt hatte. Also Affe ist wirklich zäh!Der kommt ebenfalls mit seiner ganzen Familie noch auf´n Schwätzchen rüber…und natürlich um noch ein paar Zigaretten und Süssigkeiten abzustauben. Anschließend passiert wie erwartet nichts mehr und wir gehen ins „Bett“.

 

2 Gedanken zu „Siberut (Pt.1)“

  1. Hi there,
    I have to go to Siberut, I would like to contact as a guide Rustam.
    Do you have any contact, please?
    Will be awesome, thank you in advance.

    Adriano

    1. Hi Adriano!
      You have to contact Brigitte from „Brigittes Guesthouse“ in Padang….she will get in touch with Rustam.
      Enjoy the trip!
      All the best!
      Mario

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