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Bukit Lawang

15.4.2015

Bukit Lawang

Der Tag fing relativ entspannt an…entwickelte sich aber recht schnell ins Gegenteil.

Danny, einer der Hotelbesitzer sicherte uns gestern zu uns heute zum Flughafen zu fahren…um 12 Uhr ging unser Flieger.

Lange Rede, kurzer Sinn…..um 11.15 Uhr stiegen wir aus dem Auto aus und mussten noch zum Check-In….normalerweise ist der um die Uhrzeit bereits beendet…als wir dort ankamen…reges treiben…zu unserem Glück…in jedem anderen Land hätten wir ein Problem gehabt!

Typisch Malaysia…hier geht wirklich nix zügig.

Dementsprechend mit leichter Verzögerung ging es dann los Richtung Sumatra.

Nach 45 Minuten waren wir im Landeanflug und konnten die mittlerweile recht ausgedehnten Palmölplantagen von oben betrachten.

Das in Borneo und Sumatra viel Regenwald abgeholzt wird um Palmöl anzubauen, wussten wir ja schon im voraus….die Ausmaße wurden uns aber erst so richtig bewusst, während wir wirklich Stundenlang mit unserem Fahrer der uns vom Flughafen abgeholt hatte an den Plantagen vorbeifuhren…wirklich ein Trauerspiel das sehen zu müssen.

In Bukit Lawang angekommen, erwartete uns bereits Sophian vom Junia-Guesthouse mit dem ich bereits im Vorfeld schon diverse Emails ausgetauscht hatte um den Pick-Up-Service zu organisieren den wir dank meiner Verhandlungskünste und seiner Bereitwilligkeit nicht nur ab zu kassieren sondern einen bereits eh am Flughafen befindlichen Fahrer sinnvoll ein zusetzen.

So wartete dieser bis wir landeten nachdem er andere Gäste dort hin gebracht hatte….und wir hatten „nur“ 400.000 IRP anstatt 650.000 IRP zu bezahlen.

1 € sind aktuell 13.664 IRP (=Indonesische Rupie)….also haben wir knapp 30€ für den Transport bezahlt…hört sich verhältnismäßig viel an…ist es eigentlich in Anbetracht dessen das wir 35€/Person für den Flug von Malaysia nach Sumatra bezahlt haben, auch…allerdings wenn man sich die Straßenverhältnisse hier so anschaut…ist es wirklich ok…für ´n Privat-Shuttle ohne Heck-Meck!

Laut Google Maps sind es ca. 90 Km von Medan nach Bukit Lawang…wir haben fast genau 4 Std gebraucht…und haben in keinem Stau gestanden…aber der Verkehr in Medan ist die Hölle und die fahren hier echt wie Vollidioten.

 

20.06 Uhr

Wir haben gerade für´n Appel & Ei fürstlich in unserem Guesthouse gespeist und sitzen gerade bei strömendem Regen mitten im Urwald mit Blick auf den Fluss.

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Hier ist es einfach Wahnsinn! Wir haben uns dazu entschlossen morgen nicht den Jungle-Trek zu starten, sondern morgen die hier nahegelegene „Batcave“ zu besichtigen und ein wenig zu relaxen um übermorgen einen 2 Tages-Trek zu starten inkl. Übernachtung im Dschungel.

Nachdem wir eben direkt nach Ankunft im Guesthouse mit Kamera bewaffnet ein paar Meter marschiert sind, mussten wir bereits nach wenigen Metern für eine Reihe von Schulabgängern als Fotomotiv herhalten und unzählige Autogramme auf deren vollgekritzelten Poloshirts geben…..irgendwie witzig…aber schon nach 20 Minuten echt anstrengend und jeder kannte uns und wollte das wir sie auch noch mit meiner Kamera fotografieren….warum nicht…

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…da war gan schön wat los…..

 

16.4.2015

Heute sind wir für 75.000 IRP (umgerechnet 6€) mit Guide zu einer nahegelegenen Fledermaushöhle gewandert.

Nach gut 20 Minuten waren wir am Eingang der Höhle….Stirnlampen an und der Spaß konnte los gehen. Durch enge Felsspalten über Stock und Stein ging es immer weiter von einer Höhle zur nächsten.

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Eine Grüne Baumviper gab es auf dem Hinweg auch zu sehen….

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Unser Guide hieß Wisnu…und er war bereits auf den paar Metern schon mehr als hervorragend.

Wir fragten ob er auch unser Guide für den Jungle-Track sei…..er wisse es noch nicht…so seine Aussage.

Als wir dann abends nochmal nachfragten teilte er uns mit das er unser Guide sei…1000 Millionen Gummipunkte!!!

 

17.4.2015

Morgens gegen 9 Uhr ging es dann los auf den Trek….wir hatten eine 2 Tages-Tour mit Übernachtung im Dschungel Sumatras gebucht. Ca. 20 Minuten vom Guesthouse entfernt, trafen wir nur einige Meter vor dem offiziellen Eingang zum Nationalpark auf eine kleine Gruppe von Thomas-Leaf-Affen.

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Erwähnt sei noch das wir 2 Abende zuvor bei einem kleinen Gelage mit den Jungs vom Guesthouse (und unserem Guide Wisnu), des öfteren u.a. in um gereimten bekannten Liedern immer wieder von einem Orang-Utan Namens Mina gehört haben, der wohl für fast alle Angriffe von Orang-Utans auf Menschen in Sumatra verantwortlich sein soll und dadurch sogar namentlich im „Lonely Planet“ vertreten ist….dazu aber gleich mehr.

Hier mal der Jungle Trek (das Original wäre Jingle Bells):

“Jungle trek, jungle trek in Bukit Lawang.

See the monkeys, see the birds, see orangutan.

Jungle trek, jungle trek in Bukit Lawang.

See the monkeys, see the birds, see orangutan.

Walking in the jungle, see the animal.

Walking together in Bukit Lawang.

Trekking together, tubing together,

rafting together, everything together in Bukit Lawang.

Jungle trek, jungle trek in Bukit Lawang.

See the monkeys, see the Mina, everybody run.”

 

Nachdem wir den Eintritt in den Nationalpark passiert hatten, dauerte es wenn überhaupt 10 Minuten und wir trafen auf die erste Menschenansammlung….Orang-Utans gesichtet!

Und tatsächlich…..

2 Gruppen bestaunten bereits die 2 Weibchen mit jeweils einem Baby….wir hatten tatsächlich Orang-Utans nur wenige Meter vor unserer der Nase!

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Eine der Mütter saß in Ihrem Nest, die andere Dame saß entspannt über uns und schaute uns an wie wir die Affen im Zoo.

Die 2 kleinen machten wie Wir Menschenkinder ihre Sperenzien..nur halt hoch oben in den Bäumen.

Nach ein paar Minuten ging es dann weiter.

Nachdem wir dann wieder eine Zeitlang unterwegs waren trafen wir auf eine andere Gruppe und deren Guide teilte uns mit das Mina wohl ein paar Meter weiter zu finden sei.

Der Pulsschlag ging sofort ein wenig nach oben. Mina…..der Orang-Utan der für fast alle Übergriffe hier verantwortlich ist…..direkt voraus!

Dumm nur das wir gerade auf einen Berg zu liefen, der auch noch hoch geklettert werden musste….und da war sie…Mina.

Sie ist wie die erste Gruppe Orang-Utans „semi-wilde“ wie die Guides es nennen, was soviel heißt wie das sie irgendwann wieder ausgewildert wurde. Der Besitzer der sie vorher hatte (bis das Gesetz erlassen wurde das Orang-Utans nicht mehr als Haustiere gehalten werden dürfen), hat sie anscheinend sehr schlecht behandelt, weswegen sie teils aggressiv auf Menschen reagiert.

Zusätzlich ist sie durch eine schwere Narbe im Gesicht selbst für uns sehr leicht von den anderen zu unterscheiden…unser Guide meinte das diese schwere Verletzung wahrscheinlich von einer Machete entstanden ist.

Sie saß weit oben im Baum…wir stoppten kurz und Wisnu zeigte uns noch ein paar Meter weiter die älteste von 2 Töchtern von Mina….die kleinste saß direkt nebenan.

Wisnu sagte uns wir sollten weiter gehen und gucken das wir den Berg hoch gehen….als sich Mina die kleinste Tochter schnappte, die kleine wie ein Gewand umwarf und sich zügig hinunter in Richtung Boden aufmachte.

Nachdem wir ein paar Meter hoch gekraxelt waren, blieb ich stehen um zu schauen ob sie nur ein wenig nach unten oder tatsächlich bis ganz runter gegangen war…als ich von Wisnu nur „keep moving, keep moving“ hörte und sah wie sich Mina inkl. der kleinen Tochter die sich im Fell ihrer Mutter festklammerte zielstrebig hinter uns her machte….der Pulsschlag erhöhte sich erneut…und das nicht nur weil es recht anstrengend war den Berg hoch zu klettern.

Bei jedem Mal wo ich kurz stehen blieb um zu schauen wo Mina ist hört ich erneut ein „keep moving“…also weiter….bis wir schließlich oben waren.

Dort trafen wir dann auch noch auf andere Gruppen die dort ein wenig rasteten und gerade ein paar Früchte aßen.

Unser Guide teilte den anderen mit das Mina hinter uns war und ich schaute mal den Berg herunter und…..da war sie……gemächlich aber unaufhaltsam kam sie den Berg hoch…wie in einem Horrorfilm wo alle immer nach oben rennen und der Killer gemächlich die Treppe hoch kommt.

Gut wir hatten es jetzt hier nicht mit einer mordenden Bestie zu tun, ganz im Gegenteil…..aber Streß mit ´nem angepissten Orang-Utan ist auch nicht das gelbe vom Ei…wir wußten zwar das die Guides alles regeln würden aber ein bisschen mulmig war uns schon.

Wir hatten im Vorfeld schon die Info bekommen, Kameras griffbereit zu halten, weil wenn wir die Tasche öffnen um die Kamera daraus zu holen denken die Affen da sei Futter drin….und dann werden sie hartnäckig.

Wenn man sieht wie gemächlich sie sich und ihr ca.70-80 Kg Körpergewicht von Ast zu Ast schwingen und sich mir nichts dir nichts nach oben oder nach unten bewegen, der kann sich vorstellen wieviel Kraft die Tiere im Gegensatz zu uns haben….Knochen sind wie Streichhölzer wenn denen wirklich was im Weg steht.

Oben angekommen checkte Mina erst einmal kurz die Lage….ihre jüngste Tochter immer noch an sich geklammert…die ältere Tochter folgte in ordentlichem Sicherheitsabstand und traute sich Gott sei Dank (weil sie damit ein natürliches/wildes Verhalten an den Tag legt) nicht aus den Bäumen raus und blieb im Hintergrund.

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…Mina ist deutlich an dem Cut über dem linken Auge deutlich von den anderen Orang-Utans zu unterscheiden…

Im Gegensatz zu den Orang-Utans auf Borneo unterscheiden sich die auf Sumatra von Ihren Artgenossen darin, das sie sich so gut wie nie auf den Boden begeben…außer sie sind an den Menschen gewöhnt und-/oder werden angefüttert. In Sumatra haben sie im Gegensatz zu Borneo einen natürlichen Feind…den Sumatra-Tiger, deswegen kommen sie eigentlich nicht bis ganz nach unten.

Mina stellt da die Ausnahme dar.

Wisnu gab ihr also nun Stück für Stück eine Mandarine zu futtern…anschließend legten sie ihr noch ein paar Ananas-Überbleibsel dahin und dann hieß es nix wie ab.

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…unser Guide Wisnu….

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Hätte sie nichts zu futtern bekommen hätte sie sich auf jeden Fall die ein oder andere Tasche zur Visitation zur Brust genommen…auch wenn da noch jemand an dem Rucksack dran gehangen hätte, deswegen gab es Futter.

Nach der ganzen Aktion haben wir uns auf dem nächsten Hügel erst einmal unser Mittagessen genehmigt. Anschließend ging es weiter.

Kurz vor Ende unserer Tour trafen wir erneut auf eine Gruppe und deren Guide teilte Wisnu mit, das sie wohl gerade einen wilden Orang-Utan gesehen hatten…nur 5 Minuten Fußmarsch….und los ging´s!

Nach kurzer Zeit waren wir auch schon angekommen und das deutlich wuchtigere Männchen unterschied sich nicht nur durch seine Statur deutlich von den Weibchen, sondern auch durch seine ausgeprägzen Wangenwülste.

Wir standen uns standen einige Meter auseinander und beobachteten uns gegenseitig.

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…an den auffälligen Wangenwülsten kann man die männlichen Orang-Utans erkennen…größer wie ihre weiblichen Artgenossen sind sie in der Regel auch

Als er langsam den Baum etwas runter kam haben wir uns dann abgemacht auf Wisnu´s Kommando…er meinte er kenne den Charakter dieses Orang-Utan nicht und sollten deswegen auf Nummer sicher gehen und den Rückzug antreten.

Kurz bevor wir das Camp erreichten fing es natürlich noch an zu schütten als wenn es kein Morgen gäbe. Wisnu „besorgte“ uns ein paar original Dschungel-Regenschirme und wir fühlten uns auf den letzten Metern wie die Schlümpfe auf dem Heimweg…aber seht selbst:

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…Blick aus unserem Schlafgemach…..

Irgendwann im Camp angekommen mussten wir dann feststellen das die Zelte in denen wir schlafen sollten, eigentlich gar keine wirklichen sind…zudem waren sie komplett offen.

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…das war die Küche….unsere Schlafgelegenheit sah genauso aus…nur ohne Kochstelle :-)

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18.04.2015

Zu unserem verwundern mussten wir am nächsten Morgen feststellen das wir keinerlei Moskitostiche oder sonstiges ab bekommen hatten.

Nachdem Frühstück ging es dann nochmal 3 Stunden durch wirklich unwegsames Gelände Berg hoch und Berg runter. Diesmal noch mit diesem immer grinsenden Chinesen….

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….der Chinese (dessen Namen uns entfallen ist) ist hat mehr auf der Schnauze gelegen wie wir….und das hieß am letzten Tag schon was..es war echt extrem rutschig…aber dafür hatte er immer nur ein Grinsen übrig…kennt einer von euch noch Grisu,das Schmunzelmonster….???

…er hatte sich auch für die Rafting-Variante für den Heimweg entschieden.

Hier mal ein kurzes Video von unserem Guide Wisnu und einer Ameise:

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Dazu wurden dann nach dem Lunch 5 große schwarze Schläuche aneinander gebunden (Dschungel-Taxi) und es ging ca. 40 Minuten stromabwärts Richtung Heimat.

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…so sieht es dann aus wenn man die 4 Schläuche zusammen bindet…ab nach „Hause“

 

19.04.2015

Der Tag gestaltet sich sehr relaxt. Zunächst ziehe ich mit Wisnu auf dem Scooter los um einen Geldautomaten zu finden. Die Ausbeute ist recht mager und die Anzahl an ATM´s recht gering. Also fuhren wir mit fast leeren Taschen zurück…bleibt uns wohl nix anderes über wie mit Kreditkarte zu zahlen. Den restlichen Tag machten wir nicht mehr viel, wir gingen ein bissle spazieren und das wars. Morgen geht’s ja schon weiter.

20.4.2015

Morgens ging es dann recht zeitig los, weil wir uns diesmal nicht mit einem Minivan durch die Gegend kutschieren ließen, sondern uns für die Public-Bus-Variante entschieden hatten.

Zum Abschluss kam jeder von den Jungs und verabschiedete sich persönlich (außer Wisnu, der hatte es am Vorabend schon gemacht und auch reichlich Schlaf nach zu holen) und Sophia bot uns 1 Woche Kost & Logis an, wenn wir wieder kommen und ich Ihnen eine neue Internetseite aufsetze….hätte er auch mal vorher sagen können. Dann ging es los mit dem Tuk Tuk Richtung Bushaltestelle

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Bushaltestelle in Bukit Lawang….rechts Palmölplantagen…noch und nöcher
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…Ladungssicherung ist das A und O…..

auf dem (langen) Weg nach Lake Toba…..

 

2 Gedanken zu „Bukit Lawang“

  1. Wow! Schönes Erlebnis. Bei den Orang Utahs hätte ich mir in Höschen gemacht! Hab mal eine Doku gesehen. Die Kraft von denen ist unvorstellbar.

    Aber auch die Ameise (WTF?!?!?) hat was. 😀

    Dann werde ich mal weiter lesen. Hab ja viel verpasst. Das hier ist ja schon nen Monat her.

  2. Krass… Wenn ich überlege, dass ich in Thailand mir ganz kurz überlegt hatte mich mit einem Affen anzulegen… :-)
    Klingt nach einem geilen einmaligen Erlebnis.

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